Kurzantwort: Bleirohre in der Trinkwasserinstallation sind ein ernstes Gesundheitsrisiko. In Bonn kommen sie noch in Altbauten aus der Zeit vor 1970 vor. Erkennen lässt sich Blei an der matten, dunkelgrauen Farbe und der Weichheit des Metalls. Wer Bleirohre vermutet, sollte das Trinkwasser testen lassen und zeitnah sanieren.
Warum sind Bleirohre gefährlich?
Blei ist ein giftiges Schwermetall, das sich im Körper anreichert. Es schädigt das Nervensystem, ist besonders gefährlich für Kinder und Säuglinge und kann die Intelligenzentwicklung beeinträchtigen. Trinkwasser, das durch Bleirohre fließt, kann Blei aufnehmen - besonders wenn das Wasser mehrere Stunden steht (zum Beispiel nachts).
Seit 2013 gilt in Deutschland ein Grenzwert von 10 Mikrogramm Blei pro Liter Trinkwasser. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt sogar einen Grenzwert von 5 Mikrogramm - ein sicherer Wert existiert nicht.
Bleirohre in Bonn: Wann wurden sie eingebaut?
Bleirohre wurden in Deutschland bis etwa 1970 in Trinkwasserinstallationen verbaut. In Altbauten in Bonner Stadtteilen wie der Altstadt, Beuel oder Endenich können sie noch vorhanden sein - besonders in den Steigleitungen und in der letzten Meile zwischen Hausanschluss und Wasserhahn.
Nach der deutschen Trinkwasserverordnung müssen Vermieter Mieter auf das Vorhandensein von Bleirohren hinweisen, sofern bekannt.
Wie erkenne ich Bleirohre?
- Farbe: Blei ist matt, dunkelgrau bis bleigrau. Im Gegensatz zu glänzendem Kupfer oder silbrig-glänzendem Verzinkungsstahl.
- Weichheit: Bleirohre lassen sich mit dem Fingernagel kratzen und fühlen sich weich an.
- Form: Oft leicht gebogen oder gequetscht, da Blei sich im Laufe der Jahrzehnte verformt.
- Röntgenfluoreszenzanalyse: Ein Fachbetrieb kann mit einem tragbaren Prüfgerät zerstörungsfrei messen, ob ein Rohr Blei enthält.
Sie sind unsicher? Lassen Sie eine Trinkwasserprobe in einem akkreditierten Labor untersuchen. Probe morgens nehmen, nachdem das Wasser mindestens vier Stunden gestanden hat. Das Bonner Gesundheitsamt kann weiterhelfen.
Sofortmaßnahmen bei Verdacht
- Morgens immer 2 bis 3 Minuten Wasser ablaufen lassen, bevor Sie es trinken oder für Säuglinge nutzen.
- Wasser für Säuglingsnahrung und Schwangere aus Wasserflaschen verwenden.
- Wasserfilter mit Zertifikat für Bleiabscheidung können kurzfristig helfen - sind aber kein dauerhafter Ersatz.
Sanierung: Tauschen oder beschichten?
Rohraustausch
Der einzig dauerhaft sichere Weg ist der vollständige Austausch der Bleirohre gegen Kupfer, Edelstahl oder geeignete Kunststoffrohre. Das ist aufwendiger, aber die Investition schützt dauerhaft.
Inlinersanierung für Abwasserrohre
Bei Abwasserrohren aus Blei (seltener, aber möglich) kann eine Inlinersanierung infrage kommen. Für Trinkwasserleitungen ist Inliner oder Beschichtung in Deutschland hingegen nicht zugelassen.
Kosten und Förderung
Der Austausch der Trinkwasserinstallation in einem Bonner Mehrfamilienhaus kostet je nach Größe und Aufwand zwischen 3.000 und 15.000 Euro. Eigentümer können steuerliche Absetzbarkeit oder Förderung durch die KfW (Einzelmaßnahmen Sanierung) prüfen. Wenden Sie sich an das zuständige Energieberatungszentrum in Bonn.